Blickpunkt Dresden: Migration Zugehörigkeit Bildung – Veranstaltungsreihe

Wie alle größeren Städte in Deutschland ist Dresden eine Stadt der Migration. Die sozialen, kulturellen, ökonomischen und politischen Verhältnisse der Stadt sind auf komplexe Weise mit Migrationsdynamiken verknüpft. Als Tourismusmagnet, Technologiezentrum oder mit ihrer Exzellenzuniversität ist die Stadt in transnationale Bezüge eingebettet und mit globalen Geltungsansprüchen bzw. -erwartungen versehen. Aber auch jenseits des globalisierten Standortwettbewerbs, etwa aufgrund der weltumfassenden Krisen und Not, wird Dresden durch Migration geprägt und umgestaltet. Dennoch wurde Dresden lange Zeit nicht als eine Stadt wahrgenommen und repräsentiert, für welche Erfahrungen und Dynamiken der Migration bedeutsam sind. Auch eine angemessene und vielfältige Thematisierung von Dresden als einer Stadt, die – in ihrer langen Geschichte und in der Gegenwart – permanent auch durch migrantische Akteur*innen geformt und verändert wird, bleibt noch aus. Paradoxerweise wird Dresden erst durch die Agitationen des Pegida-Bündnisses und die mit diesen einhergehende Skandalisierung der ‚Migration‘ deutlicher als zuvor als migrationsgesellschaftliche Stadt adressiert.

Dabei werden städtische Räume gegenwärtig zu Knotenpunkten von alltäglichen Auseinandersetzungen und Kämpfen um den Zugang zu Ressourcen und Rechten, um Teilhabe und Zugehörigkeit in der Migrationsgesellschaft. Während Einreisebestimmungen, die Vergabe eines Aufenthaltsstatus und der Erwerb der Staatsbürgerschaft staatliche Angelegenheiten bleiben, werden die Rahmenbedingungen für das alltägliche Leben auf der lokalen Ebene mitgeprägt. Nicht selten entfaltet das ‚Lokale‘ wiederum Auswirkungen, die weit über die Grenzen der Stadt hinaus reichen. Prozesse und Praxen, in welchen sich Akteur*innen der Stadt unabhängig vom ihnen zugeschriebenen Status Rechte als Bürger*innen erkämpfen, aber auch zugehörig gemacht werden, prägen nachhaltig das gesellschaftliche Selbstverständnis. Soziale Bewegungen, migrantische Selbstorganisationen und städtische Aneignungspraxen ‚von unten‘ spielen dabei eine genauso wichtige Rolle wie die stadtpolitischen Agenten und die etablierten Kultur- und Bildungsinstitutionen der Stadt.

Im Rahmen der Veranstaltungsreihe setzen wir uns mit Dresden als Stadt der Migration aus verschiedenen Blickwinkeln auseinander. In mehreren Arbeitsgruppen tauschen wir uns mit städtischen Akteur*innen zu über Konzepte und Perspektiven an der Schnittstelle zwischen Stadt, Migration und Zugehörigkeit. Uns geht es zum einen darum, die – möglicherweise noch unsichtbare – Prozesse, Praxen und Räume des Rechte-Nehmens und Zugehörig-Machens in Dresden und in den anderen Städten in Deutschland in den Blick zu nehmen. Zum anderen stärken wir mit unserer Arbeit Kollaborationen und arbeiten zusammen an der Gestaltung einer vielfältigen und nachhaltigen (Stadt-)Bildungsarbeit.

 

Hier finden Sie Infos zu den einzelnen Themen und die Dokumentationen der letzten Jahre:

 

StadtKunst

Wie trägt Kunst zur Thematisierung von Migration im städtischen Raum bei? Wieviel Platz nehmen die Bilder der Migration und der Flucht, der
migrationsgesellschaftlichen Vielfalt und Globalität in den öffentlichen Räumen und an Orten der kulturellen Bildung ein? Welche künstlerischen Formen werden gewählt und (an)erkannt, in welchem Verhältnis stehen politische und ästhetische Fragestellungen und Artikulationen zueinander? Welche Auseinandersetzungen in der Stadtöffentlichkeit schließen an künstlerische Darstellungen an, welche Entgrenzungen, Verschiebungen und Vervielfältigungen der Perspektiven auf Migration und Zugehörigkeitsverhältnisse werden damit vollzogen? Welche Stadtakteur*innen werden als legitime Kunstgestalter*innen wahrgenommen und wie angesehen? Wie kann der Gefährdung von künstlerischer Arbeit bei der Thematisierung von Migration, Globalität, Flucht (insbesondere migrantischer Künstler*innen) sowie ihrer ungewollten Instrumentalisierung begegnet werden?

Im Rahmen der StadtKunst-Workshops laden wir interessierte Stadtakteur*innen (Kulturelle Bildung, Kunstschaffende, Kunst- & Kulturinstitutionen, Verwaltung) zu einer Diskussion über ästhetische Bildung, Migration und Zugehörigkeit im städtischen Raum ein, sowie dazu gemeinsam zu überlegen, wie die Kunst zur Gestaltung von Kontaktzonen und zu Kommunikationsöffnungen im migrationsgesellschaftlichen (Stadt)Geschehen beiträgt bzw. mehr beitragen kann, und wie diese Prozesse angemessen begleitet und gefördert werden können.

 

StadtBild

Die Interkulturellen Tage Dresden (IKT) stehen seit vielen Jahren für kulturelle Vielfalt und die Bereicherung der Stadt durch Migration. Vor allem in Zeiten von PEGIDA und Co. gibt es ein Interesse, die positiven Seiten der Migration zu zeigen. Im Rahmen der Interkulturellen Tage werden manchmal auch Probleme angesprochen, beispielsweise Diskriminierung von Migrant*innen und ihre fehlende Mitsprache.

Im Rahmen der Veranstaltung haben wir zusammen mit den IKT-Organisator*innen sowie städtischen Akteuren und Vereinen, die bei den Interkulturellen Tagen mitwirken, das Konzept der Interkulturellen Tage kritisch betrachtet und in die Zukunft geschaut. Die leitenden Fragen waren:

Ist das Konzept der Interkulturellen Tage zeitgemäß?

Wie kann sich Dresden als Stadt der Migration verstehen, erleben und zeigen?

Der Workshop wurde als eine Kooperationsveranstaltung von LAG pokuBi Sachsen e. V./Projekt ‚Migration-Flucht-Bildung. Bildungsorte einer sich öffnenden Stadt‘ (MFB), Ausländerrat Dresden e. V., Weiterdenken – Heinrich-Böll-Stiftung Sachsen und Zentrum für Integrationsstudien der TU Dresden durchgeführt. Er schloss an den im September 2017 stattgefundenen Workshop ‚StadtBild’ an.

Für 2019 in die Fortführung der StadtBild-Workshops geplant in Form eines regelmäßigen Salons mit migrantischen Selbstorganisationen und Stadtakteuren.

Migration – Flucht – Bildung

Migration-Flucht-Bildung. Bildungsorte einer sich öffnenden Stadt

Das Projekt richtet sich an Dresden und verfolgt das Anliegen, (Stadt-)Bildungsarbeit auszubauen und zu stärken. In Kooperation mit unterschiedlichen Stadt(bildungs)akteuren entwickeln und realisieren wir Teilprojekte zur Einbindung von Migrant*innen als Bildungsakteur*innen, Qualifizierung von Pädagog*innen, institutionellen Öffnung von Bildungseinrichtungen und Bewusstseinsbildung über die Normalität und Bedeutung der städtischen Migration.

Unter anderem bietet unser Projekt: Vernetzung und Lobbyarbeit von geflüchteten und migrierte Pädagog*innen und Bildungsakteure in Sachsen (Netzwerk ‚Pädagog*innen für die Migrationsgesellschaft‘); Veranstaltungen mit Einbezug unterschiedlicher Stadt- und Bildungsakteure zum Austausch über Konzepte und Perspektiven an der Schnittstelle zwischen Stadt, Migration und Zugehörigkeit (Veranstaltungsreihe ‚Dresden: Migration Zugehörigkeit Bildung‘); Fortbildungen für Pädagog*innen im Kontext Schule ( ‚Schule Inklusiv‘: Fortbildungen und Praxiswerkstätte); Situationsanalyse zur Einbindung von Themen Migration, Flucht, globale Not in Curricula /Qualifizierung des pädagogischen Personals/Einbindung von Geflüchteten und Migrant*innen als Teilnehmende und Akteur*innen der Bildung.

Kontakt mfb[at]pokubi-sachsen.de Tel.: (0351) 850 75 162 Gefördert durch den Freistaat Sachsen im Rahmen des Landesprogramm ‚Integrative Maßnahmen'. Diese Maßnahme wird mitfinanziert mit Steuermitteln auf Grundlage des von den Abgeordneten des Sächsischen Landtags beschlossenen Haushaltes. Im Folgenden sind die Teilprojekte aufgelistet: